Der Zustand der Fassade der seit zwölf Jahren verwaisten Gorch-Fock-Schule hat sich seither nicht verbessert, der Verkauf hat keine Wiederbelebung des Gebäudes ausgelöst. Nun befindet sich die Stadt mit dem chinesischen Investor in Gesprächen über einen Rückkauf. Foto: Reese-Winne
Der Zustand der Fassade der seit zwölf Jahren verwaisten Gorch-Fock-Schule hat sich seither nicht verbessert, der Verkauf hat keine Wiederbelebung des Gebäudes ausgelöst. Nun befindet sich die Stadt mit dem chinesischen Investor in Gesprächen über einen Rückkauf. Foto: Reese-Winne
Schullandschaft

Gehört chinesischem Investor: Cuxhavens Gorch-Fock-Schule könnte Besitzer wechseln

von Maren Reese-Winne | 06.03.2026

Seit die Gorch-Fock-Schule ihr Gebäude verlassen musste, ist die Diskussion um die Raumnot nicht verstummt. Nun rückt in den Vordergrund, was lange als undenkbar galt: ein Rückkauf des Altbaus vom chinesischen Eigentümer. Aber um welchen Preis?  

Die Mitglieder des Schulausschusses horchten auf, als Erster Stadtrat Marcus Itjen am Mittwoch (4. März 2026) im Zusammenhang mit der Vorstellung der hochgelobten Pläne für den Schulneubau von Kontakten zum chinesischen Eigentümer der ehemaligen Gorch-Fock-Schule berichtete und bestätigte, dass Verhandlungen über einen Rückkauf aufgenommen worden seien. Eine Forderung, die zuletzt im Mittelpunkt eines inzwischen zu den Akten gelegten Bürgerbegehrens stand und auch davor schon in die Diskussion geworfen worden war.

Der Initiator, FDP-Ratsherr Günter Wichert, hatte angesichts des eingeschlagenen Wegs zum Neubau der Gorch-Fock-Schule das Begehren zurückgezogen. Die Idee eines Rückkaufs beziehungsweise einer wie auch immer gearteten Kooperation mit dem Eigentümer hat jedoch schon eine längere Geschichte. Bereits 2020, mitten in der Corona-Zeit, verhandelte die Verwaltung mit dem Investor - unter Einschaltung eines Beraters in Deutschland. Damals sollte ergründet werden, ob der Eigentümer bereit wäre, das Gebäude wieder für einen Schulbetrieb fit zu machen und dann an die Stadt zu vermieten. Das soll damals am Verbot der chinesischen Regierung für die Auslandsinvestition gescheitert sein.

Der Zustand der Fassade der seit zwölf Jahren verwaisten Gorch-Fock-Schule hat sich seither nicht verbessert, der Verkauf hat keine Wiederbelebung des Gebäudes ausgelöst. Nun befindet sich die Stadt mit dem chinesischen Investor in Gesprächen über einen Rückkauf. Foto: Reese-Winne

Keine Abhängigkeit von Dritten auslösen

Eine zukünftige Lösung in Abhängigkeit von Dritten schloss Marcus Itjen in der Sitzung kategorisch aus. Zurzeit stehe eine Preisvorstellung im Raum, die weit von der Realität abweiche. Rein städtebaulich, so Itjen, gebe es jedoch über die ideale Lösung keine zwei Meinungen: Am allerbesten würde sich ein Neubau an derselben Stelle wie früher einpassen - dann wohl ohne Erhalt der früheren Kiautschou-Kaserne, deren Bausubstanz und Schadstoffbelastung schon vor über zwölf Jahren ausschlaggebend für den Auszug der Gorch-Fock-Schule und den Verkauf des Gebäudes (Baujahr 1909) gewesen war.

Nach dem Auszug der Grundschule in das Gebäude der damaligen Bleickenschule (jetzt OBS Mitte) im Sommer 2013 verabschiedete der Rat einen Bebauungsplan. Die GS Projektbau GmbH erwarb das rund 8200 Quadratmeter große Areal 2015 für 430.000 Euro von der Stadt Cuxhaven und verkaufte es 2017 weiter an den chinesischen Investor.

Nach dem Bezug der Kaserne im Jahr 1909 wurden dort Soldaten für den Einsatz in der Kolonie Tsingtau ausgebildet. 1949 zog die Gorch-Fock-Schule ein. Foto: Stadtarchiv Cuxhaven

Eine Brücke in die Historie: In der extra hierfür errichteten Kaserne in Cuxhaven wurden einst kaiserliche Soldaten für den Einsatz in der damaligen Kolonie Tsingtau (Qingdao)/Provinz Kiautschou ausgebildet. Teile der Architektur Qingdaos erinnern noch heute an diese Episode. Alle Vorstellungen, dies beispielsweise in einem Museum im Schulgebäude zu dokumentieren und so chinesische Touristen nach Cuxhaven zu holen, scheiterten.

Die Realisierbarkeit eines Rückkaufs spiele sich zwischen Daumen und Zeigefinger ab, erklärte Marcus Itjen pragmatisch. Zwischen Wert und Preis werde sich auf jeden Fall eine Lücke auftun. Ein baldiges Thema für den Rat? Ulla Bergen (SPD) hielt den Weg für verfolgenswert, die Verhandlungen dürften jedoch die Planung für die neue Gorch-Fock-Schule nicht gefährden. Sympathie für einen Rückkauf signalisierte Enak Ferlemann (CDU). 

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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